TAPFERE ALIYAH HAT SCHON 65 OPERATIONEN HINTER SICH
Aliya aus Bottrop ist erst vier Jahre alt und hat schon Unglaubliches durchgemacht. 65 Operationen in zwei Jahren! "Ich bewundere meine Tochter dafür. Sie weiß wie krank sie ist und wehrt sich jeden Tag gegen ihr Schicksal", erzählt Mutter Jessica Zur (24).
Plötzlich ein ohrenbetäubender Schrei, dann ein Wimmern. Vater Dennis (23) zuckt zusammen: "Ich muss meiner Kleinen jeden Tag mehrmals den Beutel auf ihrem Bauch wechseln. Sie hat einen künstlichen Darmausgang. Zur Reinigung müssen wir Alkohol benutzen - das sind schreckliche Schmerzen für unsere Maus."
Minuten später sind die kleinen Tränen getrocknet. Aliyah hockt mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder Ryan (2) auf dem Boden im Kinderzimmer. Sie spielen mit einer Angel, ziehen per Magnet bunte Fische aus einem Papp-Aquarium. Ryan quietscht vor Vergnügen. Jessica Zur ist angespannt: " Ich muss darauf achten, dass er Aliyah nicht umstößt oder einen Schlauch abreißt. Sie wiegt doch nur acht Kilo."
"All das Leid hätte nicht sein müssen". Die Eltern haben den Gynäkologen, der diese schreckliche Krankheit im Muterleib übersehen hatte, verklagt.
Stefan Hermann, Arzthaftungsexperte aus Marl, geht für die Eltern gegen den Arzt vor: "Wir fordern 60000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz für Aliyah. Auch den Schaden, der den Eltern durch die aufwändige Versorgung von Aliyah entsteht, fordern wir ein. Es ist ein tragischer Fehler des Mediziners. Es liegt in seiner Verantwortung, den offenen Bauch während der Schwangerschaft auf dem Ultraschallbild zu erkennen. Das ist für ihn sehr wohl möglich gewesen, wie uns von anderen Fachärzten bestätigt wurde. Mit einem Not-Kaiserschnitt zum früheren Zeitpunkt, hätte die kleine Aliyah heute bestimmt nicht so leiden müssen. In einem anderen Fall, der mir vorliegt, wurde nach einem Notkaiserschnitt sofort operiert. Statt des offenen Bauches, wie heute bei Aliyah, ist dort nur noch ein nach außen gedrehter Bauchnabel zu sehen. Das Kind wird nicht so schrecklich viele Operationen über sich ergehen lassen müssen. So viel Glück hatte Aliyah nicht."
Das Mädchen ist mit Schläuchen an einen Rucksack angeschlossen. Die Flüssigkeit aus dem Rucksack versorgt es mit lebenswichtigen Nährstoffen. "
Ich will eine Wurst. Hunger." kräht Aliyah. Papa Dennis eilt zum Kühlschrank. Der erste Biss - ein Genuss für das Kind.
"Mein Schatz könnte den ganzen Tag lang futtern - sie kann es aber nicht selbst verdauen."
Aliyah war ein Wunschkind, die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen. Neunmal machte der Gynäkologe Ultraschallaufnahmen - und übersah die schlimme Wahrheit! Das Baby hatte schon im Mutterleib einen offenen Bauch, die Gedärme hingen heraus. "Seine Deutung: Das ist ein Penis, mein Nachwuchs ist ein Junge", ist Jessica Zur fassungslos.
Vier Wochen vor dem errechneten Termin musste Jessica ins Krankenhaus, mit den Herztönen stimmte etwas nicht. Dort erkannten die Mediziner die drohende Katastrophe: "Wir müssen sofort einen Kaiserschnitt machen!" Damit retteten sie das Leben der kleinen Aliyah.
Die Operateure versuchten zu machen, was möglich war. Große Teile von Aliyahs Darm mussten entfernt und Löcher wieder geflickt werden. Erst nach drei Monaten durften die Eltern ihre Kleine zum ersten Mal auf den Arm nehmen, erst fünf Monate später mit nach Hause.
Große Hoffnung setzen die Eltern auf eine Darmtransplantation einer Pariser Spezialklinik. "Die Ärzte schätzen die Chancen knapp unter 50 Prozent ein, dass es klappt. Wir beten, dass unser Sonnenschein irgendwann ein besseres Leben führen kann."
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